Digitales Handwerk Julia Kasper

Digitales Handwerk

Mit rund 5,5 Mio. Beschäftigten ist das Handwerk ein bedeutsamer Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft. Individualität der handwerklich gefertigten Produkte sowie Kundennähe bilden die DNA vieler Handwerksbetriebe, die durch den Megatrend ‚Industrie4.0‘ zunehmend deutlich unter Druck gerät.

Es ist zwingend notwendig, neue, digitale Geschäftsmodelle im und mit dem Handwerk zu entwickeln.

Andernfalls kann das Handwerk der Zukunft maximal als verlängerter Arm der Industrie fungieren. Als Gründerin von holzgespür und Tochter eines Tischlermeisters mit familieneigener Werkstatt gibt es im Folgenden meine Thesen und Gedanken zu den Verändungen im Handwerk.

Herausforderungen der digitalen Transformation im Handwerk

(1) Kirchturmdenken vs. Netzwerk

Neue Technologien und das Internet stellen ganze Wirtschaftszweige auf den Kopf. Daher muss insbesondere im Handwerk das Kirchturmdenken durch Netzwerkinitiativen ersetzt werden. Viele kleine Handwerksunternehmen sind in einem kleinteiligen, fragmentierten Markt Zuhause. Diese Landschaft wird sich zukünftig unter dem Netzwerkgedanken verändern.

(2) Strategie- & Management-Einstellung

Sich Zeit für Strategie nehmen scheint ohnehin ein nicht allzu gepflegter Brauch im Handwerk zu sein. Gerade aufgrund der digitalen Veränderungen, die heimlich, schnell und leise von statten gehen, liegen die Gründe offensichtlich auf der Hand: Wir müssen wertvolle Zeit einplanen, um uns für die Zukunft digital aufzustellen und zu lernen.

(3) Diverse Teams & Budget

Am besten funktioniert digitales Denken in diversen Teams. holzgespür zum Beispiel hätte ohne die verschiedenen Fähigkeiten aus den unterschiedlichen Bereichen der Gründer nicht entstehen können. Digitale Veränderungen passieren meist, wenn zu dem handwerklichen Part noch digitale Expertise dazu kommt! Zudem funktioniert die digitale Transformation nicht ohne Budget. Verändungen kosten Kraft – und eben auch Geld!

(4) Digitale Geschäftsmodelle = Zukunftsgestaltung vs. digitale Prozesskette = Effizienzsteigerung

Digitalisierung wird oftmals im Hinblick auf die Prozesse und die Wertschöpfung gedacht. Die Krux bei diesem Ansatz ist, dass die Optimierung zwar ein sehr gutes kurz- und mittelfristiges Instrument darstellt, diese Effizienzsteigerung im Betrieb allein jedoch nicht den Erfolg in der digitalen Zukunft sichern kann. Sorgt eine neue Technologie oder ein neues Geschäftsmodell für ein grundsätzlichen Paradigmenwechsel im Markt, können nur neue, digitale Geschäftsmodelle für eine erfolgreiche Zukunft garantieren.

(5) Durchdringen von innovativen Technologien vs. Anwendungen von Systemen

Es macht einen wesentlichen Unterschied, ob ich als Tischler beispielsweise innovative Technologien selbst gestalten kann oder ‚lediglich‘ Anwender (bitte nicht falsch verstehen!) einer CNC-Fräse bin. Wer sich im Handwerk die Zukunft nicht durch die Industrie diktieren lassen möchte, sollte selbst versuchen, Grundzüge der Programmierung zu verstehen.

(6) Digitales Lernen

Digitale Lerninhalte haben mittlerweile den Weg in die Lehrpläne an Hochschulen und teilweise an allgemeinbildenden Schulen geschafft. Was ist mit der dualen Ausbildung als „Aushängeschild Deutschlands“? Warum sind die Ausbildungsrahmenpläne der handwerklichen Ausbildungsberufe noch nicht an die digitalen Verändungern angepasst? Hier ist die Politik dringend gefragt! Gleichzeitig ist es für Handwerksbetriebe mit ‚Digital Natives‘ – beispielsweise in der Ausbildung – eine tolle Chance, von dieser digitalen Generation lernen zu können.

Unsere digitale Zukunft & worauf es ankommt:

A. MUT

Notwendigkeit und Dringlichkeit des digitalen Wandels erkennen, denn Abwarten kostet die Zukunft!

B. KUNDENPERSPEKTIVE

Konkret herausfinden, WIE man ein Problem seiner Kunden lösen kann! Es macht einen wesentlichen Unterschied, ob man ’nur‘ ein Produkt zur Verfügung stellt oder jemand ist, der echte Probleme des Kunden löst.

C. NEUE TECHNOLOGIEN

Es bewegt sich sehr viel, sehr schnell! Wer es jetzt schafft, seinem Produkt ein digitales Herz einzupflanzen und die digitale Schnittstelle zum Kunden gestaltet, ist für die Zukunft besser aufgestellt.

 

Zu meinen Lieblingsthemen stehe ich hin unter wieder zu Vorträgen, Workshops und Diskussionen auf der Bühne. Die Termine und das Engagement dahinter sind hier nachzulesen.